Behandlungsablauf

I. Krankheitsvorgeschichte

Aktuelle Beschwerden

Bei der osteopathischen Krankheitsvorgeschichte sind nicht nur die aktuellen Beschwerden des Patienten wichtig. Von großer Bedeutung ist die zeitliche Entwicklung der einzelnen Beschwerden. Wann hat was angefangen und wie hat sich das Beschwerdebild aufgebaut.

Der Zeitpunkt der ersten eigentlichen Ursache kann dabei weit zurückliegen und wird oft vom Patienten vergessen, weil zunächst keine Beschwerden bestanden.

Die wichtige Rolle von Unfällen (Traumen):

In der Vorgeschichte sind Traumen von großer Bedeutung. Unter einem Trauma versteht man auch eine plötzliche psycho-emotionale Schädigung, die im Zuge eines akuten Ereignisses aufgetreten ist.

Häufig sind massive Stürze z. B. auf das Gesäß oder Becken, auf den Kopf, auf den Brustkorb, aber auch schwere Prellungen z.B. von Armen oder Beinen, Prellungen vom Brustkorb und Schädel oder schwerwiegende Verletzungen relevant. Häufig haben die Patienten im Rahmen von Unfällen (beim Sport in der Freizeit, mit dem Rad, mit dem Auto usw.) Traumen an verschiedenen Körperregionen erlitten. Diese Traumen werden in den folgenden Jahren meistens vergessen, sind aber der eigentliche Ursprung der späteren chronischen Beschwerden. Seelische Traumen, wie z.B. Todesfälle oder andere Verlustreaktionen können neben psychischen Störungen auch körperliche Funktionsstörungen (z.B. Zwerchfell) auslösen.

II. Osteopathische Untersuchung

Voraussetzungen

Bei einer Osteopathischen Untersuchung wird grundsätzlich der ganze Patient untersucht und nicht nur die Körperregion, in der Beschwerden bestehen. Der Patient muss sich daher immer bis auf die Unterwäsche ausziehen.

Untersuchungsablauf

Zunächst untersucht der Arzt die Gesamtkörperspannung des Patienten im Stehen, um festzustellen, in welcher Körperregion die größten Spannungen vorliegen. Anschließend wird mit einem standardisierten Programm der ganze Körper untersucht, insbesondere die Arme, Beine, Becken, Lenden-, Brust- und Halswirbelsäule, der Brustkorb, die Bauchregion und der Schädel. Es erfolgen Untersuchungen im Stehen, Sitzen und Liegen.

Aufgrund dieser Untersuchung entsteht ein Gesamtbild, in welchen Körperregionen welche Funktionsstörungen vorliegen. Die gesamte Untersuchung erfolgt mit den Händen des Arztes, wobei verschiedene Bewegungstests durchgeführt werden und die Spannung der Gewebe mit den Fingerkuppen erspürt.


III. Osteopathische Therapie

Grundsätze

Bei der osteopathischen Therapie legt der Arzt zuerst fest, mit welcher Körperregion und mit welcher Funktionsstörung er beginnt. Richtschnur ist dabei das Gewebe des Patienten und die jeweilige momentane körperliche und seelische Verfassung des Patienten. Dies bedeutet, dass bei jeder Behandlung ein individuelles auf den Patienten abgestimmtes Vorgehen notwendig ist. Es gibt in der Osteopathie keine schematischen Behandlungen, sondern jeder Patient wird vor jeder Behandlung nach den oben genannten Prinzipien untersucht werden.

Behandlungsmethoden

Alle osteopathischen Behandlungsmethoden sind manuell, d.h. es wird ausschließlich mit den Händen behandelt. Grundsätzlich gibt es in der Osteopathie drei große Behandlungsgruppen (siehe auch detaillierte Ausführungen unter Methoden):

Bewegungsapparat (Parietales System): Osteopathische Techniken mit denen vor allem die Wirbelsäule, die Extremitäten und die Gelenke behandelt werden. Beispiele sind Manipulation, Muskelenergietechniken (MET), Techniken die sich mit Faszien beschäftigen (Myofaszial, Functional, Counterstrain)

System der Behandlung innerer Organe (Viscerales System): Bei den visceralen Methoden wird der gesamte Bauchraum mit den Baucheingeweiden sowie der Brustkorbereich mit den Händen behandelt.

Cranio-sakrales System: Beim cranio-sakralen System wir der Schädel mit den Hirnhäuten und Nerven behandelt.

IV. Therapiedauer

Basisserie: Eine osteopathische Behandlung dauert in der Regel zwischen 20 und 30 Minuten, in schwierigen Fällen auch länger.

Nach der Grundbehandlung ist eine individuelle Ausrichtung notwendig. Im Regelfall kann mit 3 Behandlungen im Abstand von 3-5 Wochen eine gute bis sehr gute Stabilisierung des Behandlungserfolges erreicht werden. In besonders schwierigen Fällen wird die Basisserie auf 6-8 Sitzungen erweitert. Sollte damit keine wesentliche Verbesserung der Erkrankung erreicht werden, macht eine weitere osteopathische Therapie keinen Sinn und es sind andere Therapiewege einzuschlagen.

Kontrollen: Nach Abschluss dieser Basisserie sollte eine erste Kontrolle in 3-4 Monaten erfolgen. Je nach Krankheitsbild erfolgen dann weitere Kontrollen in 6-9 Monaten.