Qigong und Taijiquan

Qigong


Geschichte und Herkunft

Seit der chinesischen Kulturrevolution (1949) ist Qigong der Sammelbegriff für Übungsformen, die ihren Schwerpunkt in der Kombination von Bewegung, Meditation und bewusster Atemführung haben. Die gut 4000 unterschiedlichen Stile und Übungsformen unterscheiden sich zum einen in unterschiedlichen philosophischen Wurzeln (Buddhismus, Daoismus). Zum anderen werden sie auch mit verschiedenartiger Zielsetzung geübt: Von Bewegungstraining und Entspannung über medizinischer Therapie bis hin zu Meditation und Kampfkunst. In der Regel weisen die verschiedenen Stile und Formen eine unterschiedliche Gewichtung dieser Elemente auf. Bei aller Verschiedenheit: allen gemein sind zumindest bestimmte Grundprinzipien im Training. Nicht zuletzt wurden sie durch die Chinesischen Medizin (CM) und ihr zugrunde liegenden Vorstellungen geprägt. So stellt das Qigong in chinesischen Krankenhäusern und Rehabilitationszentren einen wesentlichen Bestandteil der Therapie dar. Auch in Europa fand und findet das Qigong in den letzten 30 Jahren zunehmend Anerkennung - nicht nur im Bereich Prävention und Rehabilitation.

Vor der Kulturrevolution wurden die heute im Qigong zusammengefassten Übungen mit „Daoyin“ und „Yangsheng“ bezeichnet. Die Übersetzung für Daoyin lautet „Übungen zum Leiten und Dehnen“ und für Yangsheng „Techniken zur Lebenspflege“. Beiden gemeinsam ist der aktive Übungsteil. Das heißt, der Übende muss auch tatsächlich aktiv werden und etwas tun, er muss sich bewegen – körperlich und geistig, es reicht nicht, einfach nur zu konsumieren.

Qigong-Formen setzen sich aus einer Reihe von Übungsabfolgen zusammen, die ausgewogene Bewegungen und Positionen mit bewusster „innerer“ Aufmerksamkeitslenkung und bewusster Atemführung verbinden. Die meist „langsam ausgeführte Bewegungen“ (Dong Gong) wirken besonders gut bei der Regulation des Energiehaushaltes im Körper, Bewegungsapparats und Nervensystem. Dagegen wird das sogenannte „Stille Qigong“ (Jing Gong) ohne äußere Bewegungen praktiziert. Im Fokus steht dabei die Kombination von innerer Aufmerksamkeitslenkung und bewusster Atemführung. Auch diese meditativeren Übungsformen unterstützen die Regulation des Energiehaushaltes im Körper und im Nervensystem.

Dank der positiven Effekte des Qigong im Bereich Gesundheit und Entspannung unterstützen mittlerweile viele gesetzliche Krankenkassen einzelne Qigong Kurse im Rahmen ihrer Präventionsprogramme finanziell.


Taijiquan


Geschichte und Herkunft

Der Begriff Taijiquan fasst ebenfalls bewegte Übungsformen chinesischen Ursprungs zusammen. Allerdings lassen sich seine historischen Wurzeln nicht soweit zurück verfolgen wie die des Qigong. Die geistige Heimat des Taijiquan sind die philosophischen und spirituellen Vorstellungen des Daoismus. Ähnlich wie im Qigong spielt gerade die Kombination von bewusster Atemführung, Bewegung und Meditation beim Üben die Hauptrolle. Nur im Ursprung unterscheiden sie sich: Während das Ziel der Qigong-Übungen schon immer Bewahrung und Wiederherstellung der Gesundheit war, ist das Taijiquan in seiner Entstehungszeit primär als Kampfkunst geübt worden. Trotzdem gibt es mit den hierzulande wenig bekannten und verbreiteten Qigong Übungen des sogenannten „harten Qigong“ (Wai Gong) gewisse Überschneidungen. Heute kommt dem Aspekt der „Kampfkunst“ in den meisten Taijiquan-Stilen eine eher untergeordnete Bedeutung zu, während der „Gesundheits- und Meditationsaspekt“ deutlich in den Vordergrund getreten ist. Deshalb ist es auch nicht verkehrt, das Taijiquan als eine Qigong Form zu bezeichnen.

Im Taijiquan gibt es unterschiedliche Stile, deren Bezeichnung sich hauptsächlich vom Familiennamen der Stil-Stifter herleitet. Die im Westen am bekanntesten Stile heißen Chen, Yang, Wu, Hao und Li. Daneben gibt es jedoch noch diverse, weniger bekannte (Familien-)Stile. Neben langen und kurzen Übungsformen, die sich von Stil zu Stil sehr unterscheiden können, sind es gerade die Parterübungen, die das Taijiquan als „innere Kampfkunst“ auszeichnen. Waffenformen – klassisch sind Schwert-, Stock-, Speer- und Säbel-Formen - und schnelle Übungsformen unterstreichen dies noch. Das wichtigste Prinzip des Taijiquan als innere Kampfkunst ist es, einer angreifenden Kraft keine Gegenkraft entgegenzustellen und ihr so keine Übertragungsmöglichkeit zu bieten. Es geht darum, dem Harten mit Weichheit zu begegnen.

So ist es für Übende mit das Wichtigste, zu lernen, ihren Körper so zu entspannen, dass er keine direkten Übertragungsmöglichkeit für externe Kräfte bietet. Um das zu erreichen, wird zunächst mit langsam ausgeführten Bewegungen die Körperwahrnehmung und Aufmerksamkeitslenkung trainiert. Wichtig ist auch die bewusste Atmungsführung. Ähnlich wie beim Qigong führt diese intensive Art des aufmerksamen Übens zu einer besonders guten Regulation des Energiehaushaltes in Körper, Bewegungsapparat und Nervensystem. Mittlerweile sehen sogar viele gesetzliche Krankenkassen diesen Nutzen und gewähren ihren Versicherten im Rahmen ihrer Präventionsprogramme („Entspannung“) finanzielle Unterstützung für einzelne Taijiquan-Kurse. In chinesischen Krankenhäusern und Rehabilitationseinrichtungen macht das Taijiquan sogar schon einen festen Bestandteil der Therapie aus. Eine Entwicklung, die sich auch hierzulande in klinischen Therapieeinrichtungen (meist im Bereich der Physio- und Sporttherapie) immerhin andeutet.


Orientierung bei Angeboten

Das Angebot an Qigong und Taijiquan Kursen ist mittlerweile riesig und für Anfänger und Interessierte kaum überschaubar. Aber auch wenn sich Namen und Bezeichnungen von Kursen und Stilen sehr unterscheiden, so sind die ihnen die zugrunde liegenden Prinzipien doch meist die gleichen. Mögen sich die Schwerpunkte auch graduell unterscheiden, dank der gemeinsamen Übungsprinzipien bleiben die verschiedenen Qigong- und Taiji-Stile eine Familie. Letztlich drückt sich die Besonderheit eines Angebots doch eher im Übungs- und Unterrichtsniveau des Anbieters aus, als in einer speziellen Form. Gerade die Fähigkeit, auch tiefere Übungsinhalte aufzuzeigen und anzuleiten zeichnen einen guten Lehrer aus.

Leider erwecken viele Angebote den Eindruck, dass besondere und magisch klingende Qigong- und Taijiquan-Formen wundersame Heilkräfte freisetzen. Mit einer Übungserfahrung von mehr als 35 Jahren kann ich dies so jedenfalls nicht bestätigen. Lassen Sie sich deshalb bei Interesse an einem Angebot von ihrem inneren Gefühl in Bezug auf den Kursleiter, Lehrer oder Dozenten leiten. Letztlich bringt Ihnen das Üben nur dann etwas, wenn die Anleitung, die Gruppe, der Ort, die Zeit und nicht zuletzt die Kosten zusagen. Vergleichen Sie Angebote und nutzen Sie die in der Regel übliche kostenlose Probestunde, um sich einen Eindruck über das Angebot zu machen. Es gibt auch formale Unterscheidungen. So gibt es qualitative Ausbildungskategorien. Es wird zwischen „Kursleiter“, „Lehrer“ und „Lehrerausbilder“ unterschieden. Detaillierte Informationen hierzu lassen sich auf der Website des Deutschen Dachverband Qigong & Taijiquan (DDQT) unter den Allgemeinen Ausbildungsleitlinie (AALL) finden.

Hier geht es zu den regelmäßigen Kursangeboten für Einsteiger und Übende mit Dr. Michael Plötz